Die Zweite in der Wutachschlucht - 1995
(von Gottfried Dittrich)

Wirtschaftliche Rezession und sparsame Lebenseinstellung machte auch in diesem Jahr vor der 2. Mannschaft nicht halt. Statt einer Prag-Reise, die mangels Beteiligung abgesagt werden mußte, und nach den pompösen Ausflügen in die Verdon-Schlucht sowie an den Comer See in den Vorjahren, backte die Zweite kleinere Brötchen und blieb im Lande, besser sogar im Ländle. Der Ausflug in die Wutachschlucht im Südschwarzwald Ende Mai war dennoch eine tolle Angelegenheit.
Man hatte zwar irgendwie schon von den landschaftlichen Reizen der Wutachschlucht gehört. Doch vor Ort konnten sich die fünf ESV-Wanderer Präsi, Massa, Gogo, Bernhard und Markus davon überzeugen.
Der Wettergott war allerdings kein "Eisenbahner", zumindest am Tag der Abfahrt nicht. Es goss in Strömen, auch bei der Ankunft auf dem Campingplatz in Stühlingen bot sich uns ein Bild des Jammers. An ein Zeltaufbau war da ernsthaft nicht zu denken.
Also trösteten wir uns erst einmal mit einem "Tannenzäpfle" aus dem mitgebrachten Vorrat. Nachdem das erste "Bömble" geleert wurde, konnten wir nun klare Gedanken fassen. Und so sahen wir, daß auf dem Campingplatz große Wohnwägen standen, die zu mieten waren. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Platzbesitzer war der Deal perfekt. Die Tatsache, daß wir den gleichen Preis wie für's Zelten bezahlen mußten, ließ uns keine andere Wahl.
Wir zogen also in den geräumigen Wohnwagen ein, incl. Wasser, TV, Kühlschrank, Kochplatte und vier Schlafmöglichkeiten. Die fünfte befand sich auf einem Liegestuhl unter dem Vorzelt. Für einen Naturburschen wie den Bernhard aus dem Kinzigtal kein Hindernis. Angesichts dieser herben Gemütlichkeit fühlten wir uns wie eine Drückerkolonne vor ihrem ersten Einsatz im Wutachtal.
Natürlich mußten die mitgebrachten Fleischwaren sowie das Gemüse auch zubereitet werden. Die Frage nach dem Aktivposten am Herd war schnell geklärt. "Ich habe den dicksten Bauch, also bin ich der Koch". "Präsi" Martin hatte da unsere vollste Unterstützung, da seine Kochkünste hinlänglich bekannt waren. Allerdings ist seine Ende Mai gesprochene Äußerung vier Monate später gegenstandslos, denn seine "Kugel" mitsamt 15 Kilo ist mittlerweile verschwunden.
Auf die Qualität des Abendmahls sei hier nicht näher eingegangen. Er bewies einmal mehr, zu welchen Glanztaten Junggesellen an der Herdplatte fähig sind.
Samstag war dann Wandertag. Und als ob dies sich bis zum Wettergott herumgesprochen hätte, schob er die grauen Wolken beiseite und ließ den ganzen Tag die Sonne scheinen. Ein schöner Tag in der Heimat der Rothaus-"Tannenzäpfle" stand uns bevor.
Das Naturschutzgebiet Wutach- und Gauchachschlucht, eine wahre Fundgrube für Botaniker, Zoologen, Geologen und Fossiliensammler. 1200 Gefäßpflanzen, über die Hälfte aller in Mitteleuropa vorkommenden Arten, soll es im Wutachbereich geben. Schmetterlinge sind mit 570, die Käfer mit 1400 und die Vögel mit 100 Arten vertreten. Dies tangierte die ESV-Wandertruppe lediglich am Rande. Sie hielt hin und wieder Ausschau nach der berühmten Rothaus-Tulpe, konnte sie angesichts der üppigen Pflanzenwelt nirgends entdecken.

Auch die Geschichte der Entstehung und der Veränderungen vom Flußlauf der Wutach faszinierten den Wandersmann immer wieder. Nebenbei sei erwähnt, daß über 15000 Ausflügler jährlich das Naturschutzgebiet durchwandern. Aus diesem Grund beeinträchtigen zahlreiche Verbote und Schutzverordnungen die Freiheit der Wanderer. Daß aber nirgends ein Rauchverbot auszumachen war, beflügelte Camel-Mann Massa umso mehr. Dampfend zog er meilenweit durch die Schlucht. Dabei kamen so nebenher seine alten Bundeswehrstiefel nach vielen Jahren wieder zum Einsatz.
Eine Wanderung durch die Wutachschlucht ist wegen dem matschigen Untergrund deshalb nur mit guten Wanderschuhwerk möglich.
Die Wanderung ab Parkplatz Schattenmühle bis zum Ziel Wutachmühle bot uns auf dem Ludwig-Neumann-Weg zwölf Kilometer Natur pur entlang der rauschenden Wutach. Mal führte der gut angelegte Wanderweg durch wildromantische Auen, mal über Felsbrocken, mal entlang schroffer Felswände auf schmalem Pfad. Gegen Ende der Wanderung mußten wir eine wackelige Holzbrücke überqueren, die man nur einzeln betreten durfte. Massa sicherte sich dort die Camel-Trophy. Das Hochwasser der Wutach hatte die ursprüngliche Brücke einfach weggespült.
Nach fünfeinhalb Stunden mit großzügig angelegten Pausen waren wir an der Wutachmühle, unserem Ziel, angelangt. Dort hatten wir das zweite Auto stehen. Weil es jedoch noch früh am Tag war und der Wandervirus von uns Besitz genommen hatte, setzten Massa, Markus und Gogo ihre Wanderung fort, um die wildromantische Gauchachschlucht talaufwärts in Angriff zu nehmen, die noch einmal vier Kilometer lang war. Weil dieser Streckenabschnitt von Wanderern wenig frequentiert war, wurden die wackeren Drei ihrem Orientierungssinn überlassen.
Als ihrer Meinung nach der Weg zu Ende zu sein schien, blieb ihnen nichts anderes übrig als die Gauchach nassen Fußes zu durchqueren um dann festzustellen, daß ein Paar Meter weiter, hinter der Bachbiegung, eine Brücke vorhanden war. Dies wiederum war Grund genug für die Drei in der "Burgmühle" ihren Durst zu löschen und ihr Schuhwerk zu trocknen.
Glücklich aber ermattet wurden die Drei vom Bernhard am neuen Zielort erwartet, während "Präsi" Martin sich ob der langen Wartezeit große Sorgen um die Drei machte. Was diesen kurzerhand veranlaßte auf die Suche der Dreien zu gehen. Diese wiederum vermieden es letzteren zu suchen, weil dies zu kompliziert war. Irgendwie tauchte der "Präsi" dann aus dem Unterholz auf. Alle Fünf waren wieder glücklich vereint.
Und so konnte die Rückfahrt zum Campingplatz angetreten werden, wo man rechtzeitig zur Sportschau eintraf.
Die Wutachschlucht, ein schönes Wochendende in unserer Heimat, die uns in sehr angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Info Wutachschlucht hier

und hier

Ein Wanderer ohne Matsch am Schuh
ist wie 'ne euterlose Kuh

 
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