Da für die 2. Mannschaft Minimalbesetzungen an der Tagesordnung sind, hielt sie sich bei ihrem Ausflug an alte Traditionen und trat die lange Reise mit vier Mann an, plus Zahni aus der 1. Mannschaft, der sich als alter Globetrotter diese Tour nicht nehmen ließ. Das Häuflein der fünf Aufrechten überwand den Respekt vor den 800 Kilometern, die vor ihnen lagen. Also machten sie sich im komfortablen Wacker-Transit auf in eine der schönsten Gegenden Frankreichs. Dort erlebte die ESV-Delegation zwei eindrucksvolle Tage in einer einmaligen Landschaft.
Auf der Hinfahrt bei Kilometer 510 durchzuckte es Fahrer Gogo, der gerade am Steuer saß. Plötzlich sagte er: "Des het jo gar nit gekleppert, als ich gepackt hab". Was nichts anderes bedeutete, daß er die nicht unwichtigen Zeltstangen von seinem altbewährten Steilwandzelt zu Hause vergessen hatte. Diese doch wichtige Meldung verursachte bei den anderen, die gerade beim Skat vertieft waren, zunächst keine Reaktion. Erst ein Paar Kilometer später war man sich der Tragweite dieser Nachricht bewußt, denn schallendes Gegröle brach auf einmal aus. Und so begannen bei Kilometer 520 die Planungen, wie man die drei Nächte in den Alpes Maritimes verbringen würde. Andi hatte Gott sei Dank intuitiv mitgedacht und ein kleines Zelt mitgenommen, in dem vier Leute Platz hatten. Wenn sie sich eng machen würden. Zahni, der bei seinen Weltreisen schon einiges gewohnt war, zog sich in edler Manier auf die Mittelreihe des Kombis zurück, die er als recht bequem empfand.
Angekommen in La Palud war das Kiefersche Zelt schnell aufgebaut. Die mitgebrachten Würstchen und Steaks wurden schnell vertilgt. Der Gang ins örtliche Bistrot gehörte selbstverständlich zum Pflichtprogramm, um den örtlichen Rouge zu testen. Zu fortgeschrittener Stunde ging ein satter Wolkenbruch über der Ort. Wassermassen stürzten die Dorfstraße herab und man befüchtete für die nächsten Tage schon Scheißwetter. Doch nichts von alledem. Petrus war ESV-Fan und tolles mediterranes Wetter war an den beiden folgenden Tagen Trumpf vor Ort.
Am ersten Tag stand eine Rundfahrt rund um die Schlucht auf der sogenannten "Route des Cretes" im Mittelpunkt. Man staunte über die Extremkletterer, die sich 300 Meter abseilen ließen um dann die senkrechte Wand aus eigener Kraft zu bewältigen. Dies imponierte Massa derart, daß er spontan beschloß sich das "Einmaleins des kleinen Kletterers" zu kaufen. Weiteres Ziel war dann die Ortschaft Moustiers-Saint-Marie, eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Danach führte der Weg auf der Höhenstraße entlang der Verdon zur Brücke über den Artuby, einem Nebenfluß der Verdon, von der sich unerschrockene Bungee-Springer in die Tiefe stürzten. Die Tiefe der Schlucht wurde mittels Gleichung mit den Komponenten: Gewicht eines Steines und Flugdauer desselben, ermittelt. Das Ergebnis flößte uns allen Respekt ein und veranlaßte uns die Brücke schnell zu verlassen.
Nun war also also der Tag gekommen, für den wir all die Strapazen in Kauf genommen hatten. Recht früh wurden die Rucksäcke geschnürt und mit dem passenden Proviant gefüllt. Der ansonsten als Langschläfer berüchtigte Massa erwies sich als vorbildlicher Spielführer. Sein frühmorgentlicher Gang zum Boulanger bescherte uns stets ein köstliches Frühstück mit knusprigen Baguettes, feiner Marmelade und leckeren Croissants.
So gestärkt traten wir den Weg zum Ausgangspunkt unserer Tour, dem Chalet de la Maline, per Bus an. Vor uns lag eine 14 Kilometer lange und einmalige Wanderung über den Sentier Martel, die sieben Stunden dauern sollte.
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Zunächst ging's in Fünferkolonne auf einem schmalen Pfad hinunter zur Verdon. Nach wenigen Augenblicken waren wir nur noch zu viert, denn Massa war auf einmal verschwunden. Seine endorphine Hormone, die ihn in einen bei Wanderern seltenen Rausch versetzten, trieben ihn zu einer strammen Gangart. So schnell hatte man ihn noch nie gesehen.
Nach zwei Stunden tauchte er wie aus dem Nichts wieder auf, auf einem Felsen sitzend und eine Camel rauchend. Sein Blick war von einer seltsamen Glückseligkeit erfüllt. "Wo bleibt ihr denn?", war seine erste Bemerkung. Auch Markus entfernte sich öfters von der Truppe. Sein Hang zur perfekten Fotografie trieb ihn auf Bäume und ins Unterholz. Mal hing er sogar am Fels, wo er stets den optimalen Blickwinkel für seine Motive fand. Gut vier Sonderkilometer legte er dabei zurück. Das Ergebnis waren 180 schöne Dias und der Dank der Fotoindustrie.
Unterwegs erzählte Wanderführer Gogo, der diese Tour schon zum dritten Mal machte, seinem Schwager Zahni Anekdoten seiner bisherigen Erlebnisse in der Verdonschlucht. Der Schweiß lief bei einer seiner Wanderungen dermaßen seinen Rücken herunter, daß er glaubte eine Trinkflasche sei geplatzt. Als er dies sagte, war sein Rücken plötzlich wieder naß. Doch dieses Mal war es tatsächlich eine Plastikflasche. die den Höhenunterschied nicht verkraftet hatte. Und kurz darauf mußte auch der Andi aus denselben Gründen auf 1,5 Liter kostbares Naß verzichten. Der Name der Getränkemarke sei hier fairerhalber nicht genannt.
Etwa zur Hälfte der Tour war dann die lang ersehnte Vesperpause angesagt. Dort wo der Artuby in die Verdon mündet. Dies bot auch die Möglichkeit im eiskalten Wasser seine heißgelaufenen Füße zu kühlen. Die feinsten Speisen erblickten aus den Rucksäcken das Tageslicht um dann schleunigst im Rachen wieder zu verschwinden. Weiter ging es über einen kraftraubenden Felsaufstieg zum höchsten Punkt der Wanderung. Danach folgte ein atemberaubender Abstieg über eine im Fels eingelassene Leiter. Über 240 Stufen mußten fast senkrecht herab bewältigt werden. Die Beschreibung dieses Abstiegs in der Tageszeituzng "Die Welt" erwies sich dennoch als dramatischer als in Wirklichkeit, was den Massa sichtlich beruhigte.
Flotten Schrittes ging es dem Ziel am Couloir Samson entgegen. Unterwegs sah man die Extremkletterer vom Vortag von unten wie kleine bunte Punkte in der Wand hängen. Letzer Höhepunkt der Wanderung war dann ein 600 Meter langer Tunnel, den wir durchqueren mußten. Einige Wandersleute, die und entgegen kamen, warnten uns vor den vielen Pfützen in diesem dunklen Loch. Dies quittierten wir mit einem müden Lächeln, waren wir doch selbstverständlich bestens ausgerüstet. Wir hatten zwei Taschenlampen dabei. Am Tunnel angekommen funzelte die erste Lampe bis zum Knie. Auch die zweite war nicht viel besser. Nach 50 Metern war es uns dann schließlich egal, daß unsere Socken naß wurden. Es wurden ja auch keine B-Noten verteilt.
Groß war der Durst, den es nach getaner Wanderung zu löschen galt. Dies taten wir bei unserer Rückkehr in La Palud, wo uns selbst französisches Bier vorzüglich mundete. Allerduings konnte Antialkoholiker Markus diesbezüglich nicht mitreden.
Fazit: Schade für diejenigen, die nicht dabei sein konnten.
Info Gorges du Verdon
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