Rolf Isenmannn, ehemaliger ESV-Handballer aus der Großfeld-Regionalligamannschaft der 60er Jahre und Andreas Zahn, Torwart aus glorreichen Verbandsligazeiten sowie Schiedsrichter, ab dieser Saison in die Oberliga aufgestiegen, haben ein gemeinsames Steckenpferd: das Laufen. Andreas Zahn absolvierte bereits zwei Marathonläufe. Rolf Isenmann ist Gast beim Offenburger Halbmarathon. Gottfried Dittrich unterhielt sich mit den beiden über ihre große Leidenschaft.
Gogo: Wie seid ihr eigentlich zum Langlauf gekommen?
Andreas: Beim Handball hat man ja immer was für die Kondition machen müssen. Waldlauf hat in der Vorbereitung immer eine besondere Rolle gespielt. Irgendwann merkt man, daß man noch längere Strecken laufen kann als verlangt. Da steckt man sich also neue Ziele. Dazu kommt, daß mein Kumpel Didi (Dieter Dürrenfeld, ehemals TuS Schutterwald) zum Spaß gesagt hat: "Jetzt laufen wir einen Marathon". Er hat es aber ernst gemeint und mich dazu überredet. Also haben wir uns gewissenhaft auf ein Marathon vorbereitet. Das war im Januar 1995.
Rolf: Früher bin ich immer kurze Strecken am Rhein entlang gelaufen. Intensiv mit Langlauf habe ich um Weihnachten 1994 begonnen. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört und habe mir vorgenommen mich so fit zu machen um einen Marathon zu laufen. In der Hauptsache bestand meine Motivation darin, nicht mehr zu rauchen. Erst läuft man acht Kilometer, dann zwölf. Der Wald ist ja gleich neben meiner Haustür. Ich wollte einmal sehen, wo meine Grenzen sind.
Gogo: Ihr seid beide in diesem Jahr bei einer Veranstaltung im Einsatz gewesen. Rolf beim Halbmarathon in Offenburg, Andreas beim Marathon in Leinfelden bei Stuttgart. Wie bereitet man sich auf solch eine Veranstaltung vor?
Rolf: Man trainiert schon regelmäßiger. Zwar nicht nach Plan, aber so, daß ich in der Woche insgesamt auf 50 Kilometer komme.
Andreas: Für einen Marathon trainiere ich nach Plan. Es gibt einen 24-Wochen Plan, entwickelt von Manfred Steffny (ehemaliger Marathonläufer). Es geht los mit drei bis zu fünf Läufen pro Woche. Dann werden lange Läufe eingestreut. Bei Wind und bei Wetter. Man muß sich unbedingt an die Vorgaben halten.
Rolf: Wind und Wetter sind für mich auch kein Hindernis. Im Winter bin sogar schon mal nachts gelaufen, mit einer Taschenlampe natürlich.
Gogo: Ihr raucht beide, und gegen das eine oder andere Bierchen seid ihr auch nicht abgeneigt. Schränkt man sich vor einem Start ein?
Rolf: Man versucht es halt.
Andreas: Man schränkt sich schon ein, besonders beim Rauchen, man trinkt auch weniger Bier. Aber beim letzten Lauf habe ich zwei Tage vorher noch einen drauf gemacht. Bis halb fünf war ich noch auf einer Fete. Und dann bin ich Bestzeit gelaufen (3 Stunden und 52 Minuten). Das soll aber kein Maßstab sein.
Gogo: Gibt es eigentlich einen Marathonlauf, an dem ihr unbedingt teilnehmen wollt, um euch sozusagen einen Lebenstraum zu erfüllen?
Andreas: Da gibt es einige. London möchte ich gerne mal laufen.
Rolf: So etwas würde mich auch interessieren. New York und Boston, das wär’s.
Andreas: 3 Stunden und 30 Minuten sind bei beiden Läufen das Limit, um mitlaufen zu können.
Rolf: Hör auf!
Andreas: Aber nur, wenn man sich beim Veranstalter selbst anmeldet. Wenn man über einen Reiseveranstalter geht, gibt es keine Zeitbeschränkung, aber die Sache ist wesentlich teurer. Daher erklären sich die hohen Teilnehmerzahlen.
Gogo: Also Rolf, drei Stunden dreißig oder löhnen!
Rolf: Dreidreißig, das ist brutal!
Gogo: Wenn man bei einem Lauf stundenlang unterwegs ist, was geht einem alles durch den Kopf?
Rolf: Ich versuche es zu meiden an mein Geschäft zu denken. Ich versuche meine Umgebung wahrzunehmen, besonders wenn ich im Wald laufe. Außerdem hat man hat bei einem Lauf gewisse Punkte, wo man versucht zu rechnen wie schnell man ist.
Andreas: An der Kinzig gibt es alle 500 Meter eine Markierung. Man kann mit dieser Hilfe bis auf fünf Sekunden genau eine vorgegebene Zeit laufen. Für das Tempogefühl sind diese Markierungen optimal.
Gogo: Wenn man über Stunden unterwegs ist, kommt einem nicht der Gedanke, was soll die ganze Schinderei?
Rolf: Manchmal gibt es Tage, da ist man überhaupt nicht gut drauf. Aber das kommt selten vor.
Andreas: In den letzten vor Wochen der Vorbereitung ist man kräftemäßig ausgelaugt. Da quält man sich nur durch. Aber das muß sein. Wenn die Trainingsintensität nachläßt, geht’s dann auch wieder.
Gogo: Wie lange braucht man, um nach einem anstrengenden Lauf bzw. Wettkampf wieder trainingsfähig zu sein?
Andreas: Am Tag nach einem Marathon sollst du eine halbe Stunde laufen um die Gelenke und die Muskeln zu entlasten. Danach ist Pause.
Gogo: Ist man wirklich so geschafft?
Andreas: Du hast einfach keine Lust mehr. Nach einer Woche beginnt wieder der normale Trainingsaufwand und die Lust zum Laufen.
Rolf: Wenn ich eine Woche nichts mache, geht meine Leistungsfähigkeit enorm zurück. Und nach zwei Wochen kann ich wieder bei null anfangen. Aber ich glaube prinzipiell, daß man zwischen Marathon und Halbmarathon unterscheiden muß. Es kann vorkommen, daß ich zweimal in der Woche 20 Kilometer laufe. Da ist ein Marathon schon etwas anderes.
Gogo: Wie teilt ihr euch während einem Wettkampf eure Zeit ein?
Rolf: Es ist ein wahnsinniger Unterschied, ob du alleine läufst oder im Pulk losrennst. Im Pulk merkst du gar nicht, wie schnell du bist. Beim ersten Halbmarathon läufst du nach dem Start unweigerlich zu schnell mit. In diesem Jahr bin ich mit der Erfahrung aus der Vorjahr als Letzter losgelaufen. Aber auch diesmal war mein Anfangstempo zu hoch. Aber ich bin eine schnellere Zeit gelaufen, weil ich mit bessser gefühlt habe.
Andreas: Im Endeffekt mußt du deinen "Stiefel" herunterlaufen. Diejenigen, die los stieren, holst du irgendwann mal wieder ein.
Gogo: Wie ist es mit der Verflegung unterwegs. Wie muß man sich richtig verhalten?
Andreas: Man muß viel trinken und die Schuhe müssen trocken bleiben. Wenn es regnet, wird es übel für die Füße. Spätestens nach zehn Kilometern hast du die ersten Blasen. Was das Trinken angeht, ist es üblich, daß es alle fünf Kilometer eine Verpflegungsstelle gibt.
Rolf: Beim Stadtmarathon alle zweieinhalb Kilometer.
Andreas: Ich habe mir abgewöhnt während des Laufens zu trinken. Ich trinke den Becher im Stehen leer. Das kostet Dich zwar jedesmal 15 Sekunden, aber die hole ich wieder auf. Besser so, als die Hälfte verschütten und unter den Folgen zu leiden.
Rolf: Bei einer Verflegungsstelle alle zweieinhalb Kilometer kannst du ruhig die Hälfte verschütten.
Gogo: Und wenn man zum Beispiel an einer Kneipe vorbeilä in der man gewöhnlich sitzt, kann man sich dabei schon einmal vergessen? So wie der erste Marathon-Olympiasieger der Neuzeit, der in Athen zwischendurch eine Rotweinpause eingelegt hat.
Rolf: Auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Aber einmal bin ich allein 30 Kilometer gelaufen. Unterwegs hatte ich nichts deponiert. Da habe ich mir echt überlegt aus einer Wasserpfütze zu trinken. Ich habe es aber bleiben lassen. Sie hätte ja verseucht sein können. Und aus der Kinzig zu trinken habe ich mich nicht getraut. Die letzten Kilometer waren echt eine Tortur.
Andreas: Man kann ohne zu trinken zwei Stunden laufen, aber danach wird’s hart. Wenn ich 20 Kilometer laufe, habe ich immer eine bestimmte Stelle, wo ich eine Sprudelflasche deponiere.
Gogo: Hättet ihr für Neueinsteiger ein Paar wichtige Tips?
Andreas: Der Puls sollte am Anfang während dem Lauf 120 betragen, sodaß du dich unterhalten kannst. Viele, die mit dem Langlauf beginnen, gehen mit einem zu hohen Tempo an.
Rolf: Du mußt dich im anaeroben Bereich bewegen, ohne körperliche Sauerstoffzufuhr also. Vor dem Laufen sollte man die Muskulatur dehnen. Wenn dein Puls z.B. auf 175 steigt, übersäuern die Muskeln. Am nächsten Tag hat man dann einen Riesenmuskelkater.
Andreas: Am Anfang sollte man nicht nach Zeit laufen. Entscheidend ist die Pulsfrequenz.
Rolf: Ich verwende einen sogenannten "Pulsar". Er informiert mich während des Laufs über meine Werte. Damit habe ich eine gute Kontrolle über meine Leistungsfähigkeit.
Andreas: Wichtig ist auch gutes Schuhwerk, schon allein wegen der Dämpfung. Daran sollte man wirklich nicht sparen.
Gogo: Danke Euch beiden für die Informationen und wünsche euch viel Erfolg für eure Zukunft als Marathon-Men.
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