Vater des Gedankens war jener Campingurlaub im August 1997, als an einem Sonntagmorgen Hunderte von Läufern am Camping "Beau Rivage" am See von Longemer in den Vogesen vorbeizogen. Da mußte ich im Jahr darauf unbedingt dabeisein. Auch dabei, Andreas Zahn und Uwe Klausch, beides leidenschaftliche Langläufer.
Wir meldeten uns also zum 12-Kilomerlauf an, der unter der Rubrik "Lauf der Asse" ausgeschrieben war. Tatsächlich waren nur austrainierte Läufer dabei. Schon am Start suchte ich, 92 Kilo leicht, nach Läufern meiner Gewichtsklasse an denen ich mich orientieren konnte. Ich konnte mich umschauen wie ich wollte, ich fand niemanden.
Aufmunternde Worte meiner beiden Läuferfreunde. Mein Ziel war klar: den Kilometer in durchschnittlich sechs Minuten zu laufen. Also umgerechnet in 1:12 Stunden bis ins Ziel.
Der Start im Pulk verlieh mir Flügel. Als nach dem ersten Kilometer mich Zahni überholte, sagte er: "fünf Minuten und zehn, ich glaub du spinnsch!". War wohl zu schnell angegangen. Denn schon kurz danach wurde ich nach hinten durchgereicht. | Ich hatte nur noch eines im Sinn, mein ureigenes Tempo halten. Aber aufgeben, das kam mir nicht in den Sinn.
Als ich die erste Runde fast beendet hatte, kam hinter mir plötzlich Stimmung auf. Doch nicht wegen mir. Nein, die Spitzengruppe befand sich auf ihren letzten Metern. Ich ließ sie aber nicht an mir vorbei. Soviel Stolz muß sein! Und so ging ich meine zweite Runde an, mit schwerem aber regelmäßigem Schritt. An der Verpflegungsstelle am Campingplatz lagen leckere Orangen und allerlei Getränke bereit. Doch darauf verspürte ich keinerlei Appetit. Mein Magen sollte so bleiben wie er war.
Auf den letzten Kilometern wurde ich noch von ein Paar "laufenden Hausfrauen" überholt. Ich nahm mir aber vor, mich dennoch nicht demütigen zu lassen. Doch es blieb bei meinem Wunschgedanken. Zu schwach war mein Fleisch. Die letzten Meter waren eine echte Tortur. Im Ziel war ich 462. und letzter Kerl. Aber ich hatte meine Ziele erreicht: ein T-Shirt als Prämie und meine Zeitvorgabe! In exakt einer Stunde, elf Minuten und 47 Sekunden schlich ich mit roter Birne über den Zielstrich. Mein ganzer Stolz!
Trotzdem hatten wir drei einen Riesenspaß.
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