Die Zweite am Comer See - 1994
(von Gottfried Dittrich)

Nachdem sie ein Jahr zuvor die landschaftliche Schönheit der Verdon in vollen Zügen genießen konnte, mußte nach dem Ende der erfolgreichen Saison 1993/94 wieder ein Ziel mit internationalem Flair herhalten. Und so machten wir uns die schon immer besonderen Beziehungen unseres Alt-Internationalen Don Hartmut zu eigen, der uns ein Quartier in der Nähe von Bellagio, der "Perle am Comer See", organisierte. Dort verbrachten wir vier ereignisreiche Tage in einem Wochenendhaus in der Ortschaft Guello de Bellagio, ein Paar Kilometer außerhalb und oberhalb der malerischen Stadt.
Ein Hauch von Dolche Vita und mondänem Treiben blieb auch uns nicht verborgen, setzten wir doch die Tradition fort, wenn auch unbewußt, der Promis und elitären Leutchen, die Bellagio mit ihren Anwesenheit bereicherten. So John F. Kennedy 1963, Konrad Adenauer 1965, Larry Hagman 1988, Charlton Heston 1990 und nicht zuletzt unser aller Kanzler Helmut Kohl anno 1991. Und nun wir, die Zweite des ESV. Saperlott. Dennoch verursachte unsere Anwesenheit in Bellagio, ganz im Gegensatz zu diesen Herrschaften, absolut keine Aufruhr. Wir waren allesamt inkognito unterwegs. Nur einmal, als wir nach einem feuchtfröhlichen Abend ein bißchen zu laut singend durch die Gassen zogen, erregten wir die Aufmerksamkeit der aus dem Schlaf gerissenen einheimischen Bevölkerung. Einige Füllungen Wasser Eimer kreuzten demzufolge von oben unseren Weg.
Schon die Anreise war geschichtsträchtig genug, wandelten wir doch auf den Spuren des Alpenüberquerers Hannibal. Doch galt es für uns weniger eine Ladung Dickhäuter über die Pässe zu befördern, als vielmehr zehn fünf-Liter-Gallonen "Rothaus", reichlich Büchsenwurst, sowie einen drei Zentner schweren Sandsteintrog als Gastgeschenk über den Gotthard zu bekommen. Was dann auch vorzüglich gelang.
Vor Ort wurden gleich die Weichen für die folgenden Tage gestellt. Im Ristorante an der Plazza beim Emanuele wurden erst einmal die lokalen Getränke degustiert, die unser Durstgefühl in Bellagio bändigen sollten. Als da wären als Weißwein der unverwüstliche "Frassine - Chardonnay del Veneto", aber "Vivace" bitte. Für satte 3000 Lire. Und als Spezialtropfen der Sekt "Prosecco" für 4500 Lire. Präsi Martin setzte gastronomische Maßstäbe, als er als erster Offenburger einen mit "Prosecco" randgefüllten deutschen Bierhumpen antrank. Auch der Grappa verfehlte nicht seine Wirkung. Das Reaktionsvermögen einiger Delegationsteilnehmer ließ danach doch sehr zu wünschen übrig. Auch auf den Wohlgeschmack fester Nahrung wurde großen Wert gelegt. So wurde am zweiten Abend von einem Teil der ESV-Delegation das "Ristorante Il Perlo" besucht. Chefkoch Armado, der an jenem Abend zur Hochform auflief, servierte den Leckermäulern ein siebengängiges Menü mit typischen Spezialitäten der Region. Da durfte Fisch aus dem Comer See auch nicht fehlen. Hochseeangler Hartmut war davon besonders angetan. Gourmets unter den Lesern sei diese Adresse wärmstens empfohlen.

Als weiterer Programmpunkt stand der Besuch der örtlichen Diskotheken im Mittelpunkt. Schließlich gab es einige dieser Einrichtungen in Bellagio, an denen es kein Vorbeikommen gab. Der Spähtrupp vermeldete aus der ersten interessanten Disco: "eine Spitzenfrau hinter der Theke, aber mit einem Gebiß wie ein Pferd!". Also hü hott und rein.
Wir waren aber nicht nur zum Saufen und Völlen nach Bellagio gefahren. Es boten sich dort auch viele Möglichkeiten um sich körperlich und kulturell zu betätigen. Eine Wanderung rund ums Haus stand genauso auf dem Programm wie eine Fahrt mit dem "Alifasco": dem superschnellen Tragflügelboot nach Como an der Südspitze des Sees. Dort gingen uns Provinzlern erst einmal die Augen auf. Die tollsten Frauen, die tollsten Männerfrisuren, die tollsten Vespas, das geilste Eis. Und mittendrin wir! Wir Allerweltstypen.
Auch recht sportiv ging es über die Tage zu. Nicht nur im einarmigen Reißen in der Halbliterklasse, wie man vermuten möchte. Sondern beim Steinstoßen eines zehn Kilo schweren Findlings. Dabei proftierte Oberstoßer Gogo von den Resten seiner vor 20 Jahren an der Uni Freiburg erlernten Stoßtechnik, was ihm einen knappen Sieg vor Urgestein Massa einbrachte, dessen Urschrei beim Abwurf nicht zu toppen war. Markus Schaffer hingegen bestach durch einwandfreie Haltungsnoten.
Auch eine Begegnung der dritten Art blieb uns nicht erspart. Auf der Fahrt von unserem Domizil nach Bellagio nahmen wir eine recht betagte, aber rüstige Tramperin mit, die den Bus verpaßt hatte. Unterwegs - die Fahrt dauerte keine zehn Minuten - erzählte sie uns nonstop alles, nein, fast alles aus ihrem Leben, was uns nicht besonders interessierte. Schon wegen des alpinen Dialekts konnten wir nicht mithalten. Um uns zum Beispiel mitzuteilen, daß es am nächsten Tag schönes Wetter geben sollte, brauchte sie insgesamt 15 Sätze. Nebensätze nicht mitgerechnet. Aus Dankbarkeit für unsere Hilfe lud sie uns in die Dorfkneipe zu einem Glas "Prosecco" ein. Wir nahmen die Einladung gerne an, weil wir Durst hatten. Bezahlen durften wir letztendlich selber, weil die "Mamma" keine Lira bei sich hatte. Italia, wie es singt und lacht!
Am letzten Abend lud Präsi Martin zum Geburtstagsmenü ein. Er hatte sich zu seinem Ehrentag einmal mehr etwas besonderes einfallen lassen. Alles, Salate und Beilagen, hatte er höchstpersönlich zubereitet. Und er ließ es sich auch nicht nehmen das Grillfleisch uns persönlich zu servieren. Alles schmeckte vorzüglich und lecker. Ein schöner Abschluß unseres Kurztrips am Comer See. Daraufhin wurde Martin von uns für eine weitere Amtsperiode als Präsi einstimmig wieder gewählt. Mit viel "Prosecco" als Ballast, ein Paar Kilo mehr auf den Rippen, sowie das Bedürfnis zu Hause endlich ausschlafen zu können, traten wir zufrieden die Heimreise an.

Vor der grandiosen Bergkulisse am Comer See, die Jungs der 2. Mannschaft
Frühstück im Freien, so gegen 11 Uhr
Auch der Sport kam nicht zu kurz. Massa beim Steinstoß
Deutsche Trinksitten. Prosecco aus dem Humpen
Unsere Begegnng der dritten Art. Völkerverständigung a la Wurm
Night on Earth. Halb drei in der Disco

 
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